Scranton Wochenblatt. (Scranton, Pa.) 1865-1918, August 22, 1918, Image 1

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    Hegrsnvet »kw».
S». Jahrgang.
Kriezs-Aedersicht.
Nach a-Hrn tische» ««»richte. St«
Sriegterrigniffe.
„Die Ereignisse zwischen der
Somme und Avre bilden die erste
ernstliche Niederlage ün Kriege",
schreibt die .Deutsche Zeitung" m
Berlin.
Die Teutschen machen verzweifelte
Anstrengungen, um ihre Armeen
und Kriegsmaterialien aus dem Ge
biet der Pikardie heraus zuziehen,
indem sie srische Reservedivisjonen
den Alliierten entgegenWersen. ' Das
deutjche Oberkommando hat die
teidigungslinien bedeutend verstärkt,
war aber nicht imstande, die Flut
des großen Alliierten-Ansturmes zu
hemmen. Die unter dem Befehl
des Feldmarjchalls Haig operieren
den Truppen haben weitere wichtige
Vorteile entlang der ganzen
Schlachtfroiit errungen, die sich von
nördlich der Somme, wo die Briten
und Amerikaner Schulter an Schul
ter kämpsen. bis zum Norduser der
Oise erstreckt, wo französische Trup
pen große Lücken in die feindlichen
Linien reißen.
Nördlich und südlich der Somme
haben die Deutschen noch mehr wich
tiges Gelände- verloren. In der er
steren Region haben sie ihre Stel
lungen an einer sünf Meilen lan
gen Front nördlich von Albert den
Briten überlassen, während sie in
der letzteren von den Franzosen in
die bewaldeten Hügeldistrikte nörd
lich der Oise zurückgeschlagen wur
den.
Die deutschen Schanzgräben bei
Beaumont —Hamel, Serre, Puisieur
au-Mont und Buequoy wurden vom
Feind sür unhaltbar befunden an
gesichts der britischen Angrisse au?
der ganzen Linie oon Albert bis
Arras und der französischen Angrine
in dem den unteren Teil der Pikar
die - Ebene und des Oisetals be-
herrschenden Abschnitt, wo die Frau
»osen weiter gegen das Lassigni)-
Massiv und das Thiescourt Plateau
vordrangen und wo sie weiter süd
lich die wichtige Stadt Ribecourt er
oberten.
Das britische Kriegsamt berichtet
offiziell: „Die Zahl der von der
jranzöstschen Ersten Armee und der
britischen Vierten Armee seit dem
Morgen des 8. August gemachten
Gefangenen übersteigt 28,000. Dar
»inter sind 800 Ossiziere. einschließ
lich von acht Regimentskommandeu
ren. I« derselben Zeit haben diese
Armeen etwa 600 deutsche Geschütze
erobert, worunter viele schweren Ka>
libers, und auch mehrere tausend
Maschinengewehre und auch zahlrei
che Grabenmörser, die noch nicht ge
zählt worden sind. Das erbeutete
Material schließt drei vollständige
Züge und große Pionier- und an
dere Vorräte ein."
Seit Beginn der Gegenoffensive
der Alliierten am 13. Juli haben
die Alliierten über 70.000 Gefan-
gene gemacht und über tausend Ka
nonen erbeutet, behauptet das „Echo
de Paris". Außerdem sind dem
Feinde schätzungsweise über 10.000
Maschinengewehre abgenommen wor
den.
Ein furchtbarer Luftkampf wütet
unausgesetzt an der nördlichen Pi
kardiefront. Britische und deutsche
Flieger streiten um die Lustherr
jchast. Die vom britischen Kriegs
omt verzeichneten Ereignisse erzäh
len die Geschichte: „In letzten
Maschinen außer Betrieb gesetzt.
Die Briten gestehen einen Verlust
von 35 zu.
.Inzwischen hagelten die Bom
benwursmaschincn Verderben auf die
deutschen Verbindungen und Mili
täranlagen. An einem einzigen
klage wurden 541 Tonnen und noch
eine zusätzliche halbe Tonne aus ver
schiedene deutsche Tresspunkte abge
worfen. Ludendorfs, der hoffnungs
los hoffte, daß die Alliierten-Flut
noch eingedämmt werden kann, be
harrt darauf, von „zurückgeschlagen"
zu reden."
Deutschcr halbamtlicher Bericht.
Die deutsche halbamtliche Nach
richten - Agentur schildert in einer
in Berlin nach Amsterdam ausgege
benenDepesche die Vorgänge vom
dritten Tage der britischen Offensive
d» der Pikardie wie folgt:
„Am dritten Tage der Offensive,
»oährend des britischen Angriffs
nördlich der Somme. zu beiden
Veiten der Römerstraße, wurden die
' Briten von den auf den Höhen öst
lich von Albert stehenden deutschen
Batterien vom Norden her in der
Llanke im Schrapnell feuer gefangen.
Kcranion Wochenblatt.
während MUch oon oieier Stel
lung unlere im Gehölz der steil«!
Sommeufer versteckten Maichinenge
wehre weite Lücken in ihre angrei
fenden Reihen rissen und sie schließ
lich zum Ruckzug zwangen.
.Nicht besser ging es den Englän
dern südlich de» Flusses. Zu bei
den Seiten der Römerstrabe wurde
die anrückende Infanterie unter das
Flankenseuer unserer schwachen Ab-
Oestcrreichisch« Vorbereitungen.
Die Oesterreich» sollen ungeheuere
Material- und Truppenmassen in der
Front versuchen werden, meldet eine
Genfer Depesche. Oesterreichischeßahn
ziige nach Tirol sind mit Soldaten
überfüllt; Zivilisten werden nicht be
fördert. Die österreichisch-schweizeri
sche Grenze ist seit Samstag geschlos
sen.
Eine Londoner Depesche sagt: „Ei
ne österreichische Division, die Kaiser
Karl eiligst seinen bedrängten deut
schen Verbündeten an der Westfront
zu Hilfe sandte, ist noch nicht in der
wärtig in Belgien einquartiert und
soll lein Verlangen zeigen sich in den
glühenden Rachen im Südwesten zu
stürzen."
Ein Seegefecht.
Die folgende amtliche Bekanntma
chung der deutschen Admiralität l>e
sei, Verlaus mehrere britische Motor
sches heruntergeschossen
wurde, ist von Berlin in Amsterdam
„Britische Marine - Streitkräfte,
zerstörten drei schnelle Schisse und
beschädigten ein anderes. Ei»
Schlachtkreuzer und ein Torpedoboot
wurden durch Bomben getroffen;
letzteres versank. UnsereMarinestreit
kräste, die sosort nach dem Kampi
platz eilten, konnten den fliehenden
Feind nicht mehr erreichen. Unsere
Verluste bestehen in einem Luftschiff,
das durch den Korvettenkapitän der
Reserve Procaeß befehligt wurde,
und einem Flugzeug."
Die britische Admiralität sagt in
betreff der Bekanntgebung der deut
schen Admiralität über das Gefecht
auf der Höhe von Ameland: „Unsere
Verluste wurden richtig angegeben.
beschädigt."
Die britische Admiralität machte
bekannt, daß sechs britische Motorboo
te von einer Aufllärungsexpedition,
die sie am 4. August an der westfrie
fchen Küste von Holland ausführten,
nicht zurückgekehrt sind
Karlsruhe bombardiert.
Ueber ein kürzliches britisches Luft
bombardement oon Karlsruhe berich
tet eine Genfer Depesche, daß der
nördliche Teil
Eine Bombe platzte in den von der
Erzherzogin Sophie bewohnten Flügel
des Palastes, wobei mehrere Besucher
det wurden. Eine andere Bombe zer
trümmerte die Fenster der Hauptkir
che. Die Kirche war mit Andächtigen
gefüllt, welche in einer Panik flohen
Viele Personen wurden verletzt.
Ein Bericht des britischen Luftmi«
nifteriumS saat. daß britisch« Flieaei
Scranton, Pa.» Donnerstag, den »S. August INI«.
trotz ungünstigen Wetters eine Flie
gerstotion und chemische Werte in
Frankfurt angriffen. Andere Ge
schwader griffen die Eisenbahnen in
Metz und eine Flughalle in Hagenau,
Elsaß an.
Die Ereigniss« in Rußland.
Premier Lenine und sein Hauptge
hilse Leon Trotzly sind nach Kron
stadt, dem Kriegshafen bei Petrograd,
geflohen, wie eine Depesche des halb-,
offiziellen Wolff-Bureaus, Berlin,
Dr. Helfferich, der deutsche Bot
schafter in Rußland, hat die Soviet-
Regierung benachrichtigt, er werde die
Botschiist von Mostau nach Pfkow
(Peschlau) verlegen, da er wegen
der persönlichen Sicherheit seines
Stabes Befürchtungen hege, sagt ein
offizielles Telegramm aus Berlin.
Man entschloß sich zu diesem Vorge
hen wegen einer Proklamation der
Sozial-Revolutionäre, daß sie im Be
griffe seien, ein SchreckenSreglment tn
Moskau zu beginnen. Pjkow wurde
ausgesucht, da die Verhältnisse in Pe
trograd fast ebenso schlecht sind als in
Moskau.
Die Lage der-Soviet-Regierung in
Rußland wird von dem Moslauer
Korrespondenten des Berliner Tage
blatts als sehr ernst angesehen. Er
meldet, daß die tschecho-slovalischen
Truppen von 7,500 aus 30,000 an
-300,000 verstärkt wurden.
Die japanische Vorhut befindet sich,
wie der Weser Zeitung, Bremen, aus
Tschecho-Slovaten in Berührung.
Britische Truppen, die in Wladi
wostol gelandet wurden, sind zum
schen Empfang bereiten wei-sen.
Dies wurde ossiziell bekannt gemacht.
Die Bolschewiki-seindliche Bewe
gung in Rußland nimmt rapide zu.
Die Bolschewiki-Sooiet-Organisation
ist praktisch in Stücke gegangen, und
Nikolai Lenine, der Premier, und Leon
Trotzly, sein Kriegsminister, beabsich
tigen, nach Deutschland zu fliehen,
wenn die Lage zu ernst werde sollte,
wi« der Korrespendent des Exchange
Telegraph in Kopenhagen auf Grund
kürzlicher Meldungen russischer Zei
tungen telegraphiert.
Die Deutschen beabsichtigen, Petro
grad zu besetzen, meldet eine Depesche
der Zeitung .Polititen" in Kopenha
gen aus Helsingfors. Truppen zu die
sem Zweck sind bereits herangebracht
Die britische Regierung hat eine
Erklärung erlassen,welche die Tschecho-
Slovalen formell als eine verbündete
Nation anerkannt und die drei tsche
cho-slovakischen Armeen als verbün
dete reguläre Truppen, die gegen
die Zentralmächte eine-, regelrechten
Krieg führen.
Diese Anerkennung folgt auf ähn
liches Vorgehen oon seilen Italiens
und Frankreichs. Die Frage befind
det sich noch im Stadium der Erwä
gung bei der amerikanischen Regie
rung. Man erinnert sich hier jedoch,
daß Sekretär Lansino erst kürzlich
der tiefen Sympathie Ausdruck gab,
Völker Österreich-Ungarns betrachten.
Es wird aus Mokau über Berlin
gemeldet, daß die diplomatischen
Vertreter der Entente dem Kriegs
minister Trotzly eine Kolleltivnote
überreicht haben, die innerhalb drei
Tagen ein« Erklärung der Drohung
des Premiers Lenine, verlangt,
Rußland werde „dem anglo-franzö
sifchen Imperialismus" den Krieg er
klären.
Premier Lenine hat der Rheinisch
Westfälischen Zeitung Essen, zufolge
ein neues Manifest erlassen, das alle
mit Vernichtung bedroht. Bauern, die
über ihre persönlichen Bedürfnisse hin
aus Getreide behalten, werden als
Wegen der gegenrevolutionären Be
wegung in Rußland hat der zweite
Soviet - Kongreß die Exekutivgewalt
in die Hände eines Triumvirats ge
legt, das aus Premier Nikolai Le
nine, dem Kriegsminister Leon Trotz
ly und Herrn Zinovieff, einem An
hängerLenines, besteht, wie ausMos
kau gemeldet wirb. Sie haben un
begrenzte Vollmacht erhalten, alle
nötigen Maßregeln zu treffen, um
im Kampfe der Soviet Republik ge
gen ihr« Feinde den Sieg zu errin
gen.
Teutschland alarmier«.
Mitbezug auf die Verlegung der
deutschen diplomatischen Basis in
Rußland sagt die .Vossische Zeitung".
B«rlin: .Die Verlegung der
Botschaft von Moskau nach Pskow
wirft ein grelles Licht auf den Ernst
der politischen Lage an unseter Ost
front. Botschafter Helfferich reist:
früher als sein Stab ab, da er für
sein Leb«n fürchtete. Moskau ist in
den Händen anti-deutscher Elemente
Linken. Das zeigt, daß die Herr
schaft der Bolschewik! in Moskau zu
Ende ist. und das ist nicht nur in
Moskau der Fall, sondern im größern
Teile Rußlands, wenn nicht in ganz
Rußland. Damit fällt Helles Licht aus
den Fehlschlag der deutschen Politik
im Osten."
.Das unerbittliche Schicksal treibt
Deutschland in einen neuen Kriegszu
stand mit Rußland, wenn nicht noch
im letzten Augenblick ein Gegenmitjel
gefunden wird," schreibt die Zeitung
weiter. Sie bezeichnet die Flucht oon
Mokau nach Pskow als „einen Rück
zug aus Rußland" und fährt fort:
„Eine Nation, zerrissen durch tausend
Konflikte und geschwächt durch Revo
lution und Bürgerkrieg hat dennoch
genug Energie und Einmütigkeit ge
funden, um den Brest-Litowsk Frie
densvertrag zu zerreißen. So viel ist
klar: Der in Brest-Litowsk gemachte
Friede besteht nicht mehr."
Die neue Station in Pskow,
schreibt der „Lokalanzeiger", ist
nur als eine Art Beobachtungspo
sten ausersehen und wie lange er
dort bleibt, hängt von den Ereig
nissen in Rußland ab.
Theodor Wolss warnt im „Tage
blatt" vor blindem Optimismus
daß selbst die Leute, die den Krieg
mit Amerika wollten, jetzt die Zeit
sür gekommen halte», wo das deut
sollte. Diese Leute, erklärt Wolss,
der Verantwortiing zu befreien.
Ein Gas-Angriff.
Gas, entwickelt durch Oel, das von
«inem an der Mittelatlantischen Küste
operierenden deutschen Unterseeboot
auf das Wasser geschüttelt worden
war, übermannte sechs Leute der KU
stenwachtmannschasten und des
Leuchtturms auf Smiths Island in
Nord-Carolina.
Wenn der Gasangriff mit Vorbe
dacht ausgeführt wurde, wie die mei
.Schreckenverbreitung" und war so
weit berichtet wurde, der erste direkte
Versuch deutscher Seejäger Personen
und Eigentum an der amerikanischen
Küste zu schädigen.
Das Gas hatte, wie der Befehls
haber der Küstenwache erklärte, unge
fähr dieselbe Wirkung wie das von
den Deutschen an der Westfront be
nutzte Senfgas. Die Leute waren über
deutsche Kriegführung an der atlan
tischen Küste berichteten. Eine zeigte
den Angriff eines amerikanischen
Zerstörers auf ein U-Boot, 100 Mei
len von der Küste Virginiens entfernt
an. Der Zerstörer warf an der Stelle,
wo das U-Boot untertauchte, 17 Tief
seebomben aus.
Das Ergebnis dieses Angriffs ist
nicht festgestellt. Aber an der Ober
fläche des Wassers erschien O«l, nach
waren, und von dem U-Boot wurde
nichts weiter gesehen.
Während die Berichte der, Kom
mandanten der Smith Island Kü
stenwache und des 6. Marinedistrikts
die Ueberzeugung ausdrücken, daß der
Gasangriff auf die Insel mit Vorbe
dacht unternommen wurde, halten es
einig« Beamte für möglich, daß das
Oel und Gas von einem Tauchboot
herrührt, das an einem Riff scheiterte.
Es würd« auf die Tatsache hingewie
sen, daß die Wirkung des Salzwas
sers aus die elektrischen Batterien, wie
sie auf Tauchbooten im Gebrauch sind,
Chlorgas entwickelt. daS wie Senfgas
in einem geschlossenen Raum tödlich
wirkt. Wenn das Unterseeboot zer
stört wurde, heißt es, entwickelte sich
das Gas, wurde mit dem Oel an
die Oberfläche gebracht und dort
frei.
Seit am 18. Juli die zweite U-
Boot-Razzia iti amerikanischen Ge
wässern begann, nachdem die Ver.
Staaten in den Krieg eingetreten sind,
wurden 31 Schiffe zerstört, mit AuS
nabin« von Dreien, all« ist neuenglän-
Amiens, seit die 150,000 Ein
wohner, einschließlich 40,000 Flücht
linge, vor der deutschen Offen
sive im letzten Frühjahr slo
hen, .die tote Stadt der Pikar
die", erwacht zu neuem Leben; denn
zurückgedrängt worden.
Die Straßen der Stadt waren
menschenleer, aber heute rasselte»
hier und da Fuhrwerke und Auto
mobile über das Pslaster, mit briti
schen, französischen und amerikani
schen Ossizieren und Soldaten oder
Zivilisten, die seit Jahren im Schat
ten der großen Kathedrale von
sche Kugeln und Bomben immer
noch die schönste in ganz Frankreich
ist, nm der Messe beizuwohnen, die
zelebriert wurde, um dm alliierten
Massen sür die Befreiung der Stadt
zu danken.
Vor dem mit den Flaggen von
Großbritannien, Frankreich und
Amerika umgebenen Alter und mit
Hilfe eines aus französischen Solda
ten gebildeten Chores wurde die
Messe gelesen, und von der Kanzel
schilderte ein Priester den zwischen
Sandsäcken und Schutt sitzenden
Zuhörern in beredten Worten die
Geschichte der Kathedrale.
Katte«.
Kampfe geegn die Rattenpest.
Die Ratten sind aktuell, sie haben
in China und in der Mandschurei die
Pest verbreitet und Gerhart Haupt
mann zu einem Drama inspiriert.
Tier«, die solche Katastrophen her
beiführen, verdienen genauer gekannt
fischen Arzt Dr. A. Calmette Daril
in die Geschichte der interessanten
Nager tun läßt. Er erklärt kurz
und bündig, daß die Ratten auf dem
besten Wege sind, di« ganze Welt zu
erobern. Der Eroberer ist aber nicht
war, und aus die Hunde, Katzen,
Schweine und Nachteulen erfolgreich
Jagd machten, sondern „mus decu
manus", die Wander- oder Kanal
ratte. Ihr« Geschichte reicht nicht all
zuweit zurück. Die Wanderratte
wird zum erstenmal im Jahre 1620
erwähnt; damals traf man sie nur in
Indien und in Persien. Nach Eu
ropa kam sie im Jahre 1727: sie
wanderte aus Indien aus. weil das
Land zu jener Zeit unter schweren
Hungersnöten litt und ganz Zentral
asien bis zum Kaspischen Meere von
Erderschiitterungen heimgesucht wur
de. In unabsehbaren Scharen zogen
die Ratten bei Astrachan über die
Wolga; sie übersluteten das südliche
Rußland und tauchten im Jahre 1760
in Ostpreußen auf. Drei Jahre spä
ter hielten sie ihren Einzug in Pa
ris; innerhalb weniger Tage ver
nichtete man dort 16,000 Ratten,
aber es blieben noch genug übrig.
Als die französische Regierung An
stalten traf, die Abdeckerei von Mont
faucon zu verlegen, kam es, wie der
Zoologe Bell erzählt, in Paris zu
lebhaften Protestkundgebungen: man
fürchtete, daß die um ihre gewöhnliche
Nahrung gebrachten, ausgehungerten
würden. In die Abdeckerei warf man
alle Tage eine Anzahl Pferdeladaver,
oft bis zu 36 an einem Tage, am
andern Morgen waren alle Kadaver
bis auf die Knochen aufgefressen.
Kurze Zeit darauf eroberte die Ka
nalratte auch Schweden und Norwe
sie sich selbst durch bittere Kälte nicht
verdrängen läßt; findet man sie doch
sion der Ratten geschützt. Als aber
in einer Herbstnacht des Jahres 1847
ten von dort die alte schwarze Ratte
und ließen sich häuslich nieder.
Im Jahre 1866 gründete die Ka
verwllstet die Wanderratte auf den
Antillen und auf den Azoren die
Kaff«-, di« Bananen-, die Zucker-
Stummer S«.
Rohr- und die
Im Nordosten von England gibt »>
ein« Insel von 260 Hektar, auf d«
noch vor 16 Jahren 3000 Rind«
prächtige Weideplätze fanden. D»
Insel ist von der englischen Kllst«
durch eine 460 Meter breite Wasser«
siraße getrennt. Diese Wasserstrahl
haben die Ratten überschwommen, u«
von der Insel Besitz zu ergreife».
Man kann kaum den Fuß auf de»
Boden setzen, ohne in einen Ratten»
bau zu fallen. Die gefährlichen Na
ger fressen die Wurzeln der Pfla»-
zen, so daß kaum noch eine Spu»
von grüner Weide zu finden
Man hat schon oft den Versuch ge
macht, die Eindringlinge zu Vernich»
ten, indem man die niedrig gelegen«»
Teile der Insel unter Wasser setzte;
Böschungen und warteten dort ruhrz
ab, bis die Wasser sich wieder ver
laufen hatten.
Daß die Ratten jedes Jahr in den
Schiffsladungen, aus den Docks, in
den Getreidespeichern und in den
Plantagen ungeheure Verwüstungen
anrichten, ist bekannt. Sie fresse»
Tauben, Hühner, junge Enten und
Eier. Man weiß auch, daß die Rat
ten schlafende Kinder und hilflos«
alte Leute angreifen. Nielson er-
Im Jahre 1898 entdeckte Dr. Si-
Pest befallen werden können, die fi»,
ohne selbst daran zu sterben, auf de»
Menschen übertragen. Die Verbrei»
Flöhe. Man hat das erst bestreite»
wollen, indem man behauptete, daK
die Rattenflöhe niemals auf eine»
Menschen sprängen. Diese Behaup
tung hat sich jedoch als ein Jrrtu»
erwiesen, und es steht jetzt sest, daß e»
der Floh ist, der das Pestgift von der
Ratte aus den Menschen überträgt.
Durch die Ratten können ferner di«
Trichinose, die „Influenza der „Pfer
de" und die Tollwut verbreitet wer
den. Das alles ist so widerlich, daG
Dr. Calmette recht hat, wenn er di»
ganze Menschheit zum Kampfe gege»
die Ratten ausruft.
Eine ganze Billa ausgeraubt.
Welche abenteuerlichen Raubpläne i»
dieser Zeit durchgeführt werden, zeigt
wieder folgender Fall: Der Haus
diener Willi Hopf sah aus eine»
Ausflug in Röntgenthal eine Villa,
die allem Anscheine nach nicht be
wohnt war. Rasch reifte in ihm der
Gedanke, sich selbst zum Villenbesitzer
zu machen. Vor allem lud er meh
rere gleichgesinnt« Freunde, eine»
Hausdiener Willi Mix, einen Für
sorgezögling Erich Hocker und eine»
Arbeiter Hans Randau zu eine»
Abendbrot nach seiner Villa ein. Da
Küche und Keller noch ziemlich gut
versorgt waren, wurde ein reichliche»
Gelage veranstaltet. Dabei erzählt«
Hops seinen Freunden, er beabsich
tige, die Einrichtungsgegenstände nach
Berlin zu schaffen, um mit diesen für
sich und seine Freundin eine gemein
same Wohnung einzurichten. Ob
wohl die Freunde recht gut wußten,
daß Hops nicht der Besitzer det
Landhauses sei, gingen sie doch aus
den Plan ein und schassten nach und
nach die ganze Einrichtung fort, bi»
das Haus ganz leer war. Nun wur
den Hopf und dessen Freunde ver
hastet. Di» ausgeraubte Villa ge
hört einem Berliner Kaufmann, der
zum Heeresdienst eingezogen ist.
Hopfs Freude an dem neuen Heim
war übrigens nicht von langer
Dauer. Seine Geliebte hatte nämlich
verkauft und war mit einem andere«
Manne geflüchtet.
Nach italienischen
tras aber Vitale tätlich tn der Brust.
Vitale war Präsident dM orienta
lischen Instituts in Neapel und hat
viele Jahre in diplomatischer Mis
sion in Peking gelebt. . s