Pennsylvanische Staats zeitung. (Harrisburg, Pa.) 1843-1887, July 26, 1866, Image 1

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Ktmlsflltmnischk MMs-Ztitung.
Jahrfllinn l.
PrnnsljllianischeZtaats-Zeitung
loli. Georg Nipper,
erscheint jede Donnerstag, und testet !82.<)<)
per Jahr, zahlbar innerhalb desJahrcs, und
Hti2.lt) nach Pcrstnft des Jahrgange.
Einzelne Ercmplarcn, -1 <scnts per Stück.
jteinc Siibscriptiencii für Weniger
Offircn: in der „Patriot nnd Union"
Druckerei, Dritten Strafte, Harriebarg, und
in der „Jntclligcnccr" Druckerei, am Ecntrc
pt't's^
Der Mutter Grab.
Mag drunten auch nach manchem Schmerz
Es läßt sich einer Mutter Herz
Doch nimmerwehr begraben.
ES grüßt Dich in der tiefsten Nacht
Drum, willst Du fronn init Mnud u. Hand
Am Grab der Mutter stehen.
Nicht ablvätrS sei der Blick gewandt,
Nach oben mußt Du sehe!
Und dürftest nie mehr Du hinfort
An ihren Hügel trete,
Du kannst a jedem fremde Ort
Zu Deiner Muttei beten.
Glaub' nicht, daß Deiner Worte Schall
Ist einer Mutter Liebe!
-feuisle 10.
Die Moderatoren.
Erzählung aus TcraS.
Von Friedrich Gcr stücker.
Forlsetznng.
2. In BrownSville.
Der alte lenkins blieb, als die beiden
Fremden fortritten, kopfschüttelnd in der
Thüre stehn und sah ihnen nach, denn
'eine so bodenlose Frechheit war ikm doch
'ii> seinem ganzen Leben noch nicht vor
gekommen. Zwei wildfremde Nie tischen
treten da in sein eigenes HanS und ver
langen von ihm, mitte im teraniscbc
-Walde, er solle auf einen Papicrwisch
hin ihnen, mir Nichts dir Nichts, sein
wohlerworbenes Eigenthum ausliefern.
Er würde es nicht für möglich gehalten
baben, wenn eres nicht selber erlebt hät
te, und eine Zeitlang lief er, die Hände
auf den Rücken gelegt, in seinem Hause
auf und ab. Endlich rief er Nelly.
Das junge Mädchen kam blieb in der
Thür stehen.
„Master?"
„Kanntest Du Einen der beiden Ha
lunken, die eben bicr waren?"
„Nein, Master," sagte die Negerin,
„nur den Einen habe ich vor acht oder
vierzehn Tagen einmal gesehen."
„Wo?" frug der Alte rasch.
„Draußen am Feld —ich pflückte Boh
nen und er ritt an der Fenz vorbei. Als
er mich sah, hielt er an und frug wer
hier wohne."
"Welcher war das?"
„Der mit der Büchse."
„So? —hm —der im Frack nannte ihn
Mr. Netley—also vor acht Tagen schon ?''
„Es kann auch etwas länger her sein."
„Und i Little Rock bist Tu nie ge
wesen ?"
„Nie, Master; habe den Ort in mei
nem Leben nicht gesehen."
„Kennst auch einen Mr. Soundcrs
nicht?"
„Nein, Master," sagte das Mädchen
und sah treuherzig zu seinem Herrn ans.
„Es ist gut, Nelly," nickte dieser, nach
kurzer Pause, und griff dabei seinen al
ten Filzhut auf und holte die Büchse von
der Thür herunter. Seine Frau sah
ihn erstaunt an.
„Willst Tu schon wieder fort, John?"
frug sie fast erschreckt. „Du bist doch
kaum erst nach Haus gekommen."
„Ja, Schatz, sagte der alte Mann,
„ich muß mit Nced sprechen die Ge
schichte geht mir im Kops herum. Neu
lich, als ich drüben in der Ansiedlung
war, hörte ich schon von allerlei faulen
Dingen, die jetzt im Wald vorginge,
achtete aber nicht darauf, denn ich hielt's
für übertrieben. Jetzt kommt mir die
Sache selber bedenklich vor, und ich möchte
doch einmal nähere Erkundigungen ein
ziehen."
„Und mich willst Du indessen hier al
lein lassen ?"
„Wär' wohl das erste Mal, Schatz,"
lächelte der Alte, „aber sei unbesorgt.
Gerade jetzt reit' ich fort, damit ich die
nächsten Tage bei Dir bleiben kann, denn
hentr-MNd morgen kommen die beiden
Bursche, wenn wir sie überhaupt je wie
der zu sehn kiegen, sicher nicht zurück.
Uebrigens hast Du ja Dein eigenes Ge
wehr, und sollte wirklich in der Zeit Je
mand eintreffen, der Dir nicht reckt ist,
dann bist Du und Sip Manns genug,
um ihnen die Wege zu weisen. Ich bleib'
auch nickt lange, sei ohne Furckt, wir
haben jetzt mondhelle Nächte, und wenn
ich quer durch den Wald schneide und den
Bluff hinuntcrstcige, ist's bis z Reeds
hinüber kaum mehr als fünf Meile, in
anderthalb Stunden bin ich drüben."
Sip, der Neger, legte indessen den Sat
tel auf, und der alte Man nickte der
Frau noch einmal zu und ritt dann lang
sam in de Wald hinein. Statt aber
gleich der angegebenen Richtung zu fol
gen, kam ihm ein anderer Gedanke, als
er die Pferdespurc der beiden Fremden
sah. Wohin hatten sich diese gewandt?
das mußte er vorher wissen, und er folgte
ihnen deshalb in einem etwas lebhaften
Trab; die Spuren waren ja deutlich ge
nug dem weichen Boden eingedrückt, um
rasch auf ihnen hinreitcn zu können.
Die Reiter hatten in der That den
Cours ach Südosten eingehalten und
endlich den nächsten Bach gekreuzt; sollte
er ihnen nach dort hinüber folgen ? das
hätte ihn weit ab von seiner eigenen
Richtung geführt, und cS trieb ihn nicht
zu lange von zu HauS fortzubleiben.
Ans der andcren Seite des schmalen
WassercourscS ließen sich noch deutlich
die Spuren erkennen, und darüber jetzt
vollständig beruhigt, lenkte er selber sein
Thier reckts ab und schnitt quer durch den
Wald hindurch nach Rccdö hinüber. Er
kannte jeden Fuß breit Boden hier und
konnte die kleine Farm so genau treffen,
als ob er eine breite Straße dort hin
übcrgeführt hatte.
Es war noch früh am Nachmittag, als
er Recd's Farm erreichte, aber er fand
Rced nicht zu Hauö, und dessen Frau
sagte ihm, „ihr Mann sei nach BrownS
ville am Sulphurcrcek hinübergerittcn
und würde auch wohl vor morgen Abend
nicht zurückkommen. Drüben in BrownS
ville hätten sie eine Versammlung, aber
weshalb wisse sie nicht."
BrownSville, eine Stadt, die vor
läufig erst aus drei Häuser bestand, lag
och etwa sechs Meilen weiter, er konnte
es noch recht gut heute Abend vor Son
nenuntergang erreichen. Doch einmal
auf dem Wege, besann er sich auch nicht
lange, und ohne selbst abzusteigen, nickte
sr der Frau Reed'S einen herzlichen Gruß
zu und verfolgte seinen Weg, bis er end
lich gegen Abend auf seinem jetzt ziem
lich müden Pferd in einen breiten, durch
den Wald gehauenen Weg einlenkte, den
eine an einen Bann, genagelte und be
schriebene Schindel als „Mainstreet'
oder Hauptstraße bezeichnete.
ES war die Hauptstraße der künftigen
Stadt, von der eben solche Seitenstraßen
nach links und rechts abzweigten, aber
er konnte ihr nicht einmal folgen, ob
gleich er von hier aus kaum noch zwei
hundert Schritt auf den „Marktplatz"
hatte, denn die darin gefällten Bäume
lagen noch genau so, wie sie die Axt um
geworfen, wirr und toll durcheinander.
lenkins mußte sich denn auch seine Bahn
durch den Wald suchen, um diese „Haupt
straßc" zu passiren, er erreichte endlich
den eigentlichen Verkchrstheil der Stadt,
eine kleine Gruppe von drei Blockhütten,
die hier innerhalb einer Lichtung von
fünf oder sechs Ackern Maiöseld zusam
men standen.
Das eine von diesen war das vnnrt
ünuso (Rathhaus), aber auch nnr aus
unbehauenen Stämmen aufgeführt, wie
die übrigen, das andere die „(IrociorzG,
ein kleiner Laden, der die Bedürfnisse für
die Nachbarschaft —und die Hauptsache—
Whisky enthielt, und das dritte das ei
gentliche Farmhaus, das die anderen
Beiden hervorgerufen; die Wohnung des
ersten Ansiedlers hier, der jetzt zu gleicher
Zeit, neben der Bestellung seiner Felder,
die Aemter eines Postmeisters und Frie
densrichters verwaltete.
Der Platz war auch, da er mitten im
County lag, von den Ansielern zu einem
sogenannten county ssat ernannt wor
den, und zu gewissen Zeiten im Jahre
versammelten sie sich hier, um ihreßechtS
händcl auszugleichen. Diese Zeit war
gegenwärtig nicht; lenkins mußte des
halb erstaunt sein heute eine ungewöhn
liche Zahl von Menschen hier zu treffen,
denn auf dem offenen Platze zwischen den
drei Häusern, von dem man die gefällten
Bäume, bis auf ein paar Stumpfe und
Stammreste, sorgfältig entfernt hatte,
traf er etwa fünfzehn oder sechszehn An
siedler aus der Nachbarschaft, d. h. einige
von zwanzig und mehr Meilen Entfer
nung, die sich lebhaft miteinander unter
hielten.
Als sie zuerst den nahenden Reiter an
sichtig wurden, verwunderten auch sie sich
über den Besuch, aber im Nu hatten sie
den alten JenkinS und sein braunes
Jagdpony erkannt, und laute, herzliche
Zurufe begrüßten ihn.
Aber was führte ihn gerade heute zu
fällig hierher?
„Jungen," sagte aber der alte Mann,
auf die rasch an ihn gerichteten Fra
gen, „vor allen Dingen muß mein ar
mes Pony etwas zu fressen haben, denn
das ist den ganzen Tag auf den Füßen
gewesen, und ich möchte einen Schluck
! Whiskey, mir ist die Kehle wie ausge
brannt."
Beiden Anforderungen wurde rasch
entsprochen, das Pferd übergab man ei
nem Neger, und fünf, sechs Arme mit
Whiskey - Becher streckten sich dem la
chenden alten Mann zu gleicher Zeit
entgegen.
„lind was führt Euch gerade heute
hichcr, JenkinS?" rief der Postmeister,
„denn z gelegener Zeit hättet Ihr gar
nicht eintreffe können. Wir hatten so
gar nach Euch geschickt, aber Billins fand
Euer HauS nicht und behielt nur eben
Zeit hier wieder einzutreffen."
„Billins fand mein HauS nicht?"
lachte der Alte, „das ist nicht übel, da
wundert's mick nur, daß er sicb hier wie
der hcrgcfundcn hat."
„Zum Henker auch," rief der junge
BackwoodSma, „Ihr steckt so im Dickicht
drin, wie ei Bär im Winter, und die
zahllosen kleinen Bäche sehen einer aus
wie der andere. Ich gericth in den ver
dammten Schilfbruch, wo die Rcd-River-
Süiiipfe beginnen und horte da drin ei
nen Hund bellen. Linn glaubt' ich, dort
wär'S, kam aber nicht durch, band mein
Pferd a, verirrte mich im Schilf und
dankte Gott, als ich nur endlich die Stelle
wieder fand, wo ich mein Thier gelassen.
Nachher war'S ;u spät och weiter nach
zusuchen."
„Da habt Ihr Euch viel zu nördlich
gckalten," lachte der Alte. „Aber darf
man crsakrc, was Ihr heute vorhabt?"
„Gewiß," rief Bordcr, der Postmeister,
„denn Euch geht es ebensogut an, wie
uns. Ihr wißt doch, daß wir schon seit
einiger Zeit gespürt haben, wie irgend
Jemand hinter unseren Pferde her sei."
„Hol siederßöse," riefJenkins, „mei
nen Rappen haben sie sich auch geholt."
„Aha," lachte ein Anderer, „und den
sucht Jbr wohl gerade hier bei uns?"
„Das nicht, aber —"
„Nun hört nur weiter," sagte Brodcr.
„Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß
wir einen Antheil von jenem aus Arkan
sas und Missouri verjagte Gesindel auch
in unscreNachbarschaft bekommen kabcn,
und unsere nach allen Richtungen hin
zerstreuten Wohnungen und Weideplätze
machen ein Zusammenwirken nichtswür
dig schwer. Man braucht za wahrhaftig
immer eure Tagereise dazu, um zwei ober
drei Nachbarn anzutreiben, und che ein
Raub nnr bekannt wird, sind die Halun
ken über alle Berge."
„Und kabt Ihr denn noch auf Nie
manden Verdacht gefaßt?"
„Ja hört nur, das ist ja die Geschickte,'-
siel Border ein. „Am fiyprcsseusumpse,
der Bearbayon und oben am Rand des
Schilfbruchs haben sich seit einiger Zeit
einige Strolche niedergelassen, die Nie
mand von uns kennt und die auch ver
wünscht wenig Staat mit ihrer früheren
Lebensbeschreibung machen. Dem Einen
fehlt sogar ein Ohr; er behauptet frei
lich, ein Bär habe es ihm einmal auf der
Jagd abgerissen, aber ich denke mir bei
nah, er hat's irgendwo in einer fatalen
Geschichte sitzen lassen, denn die in Ar
kansas drüben machen sich manchmal den
Spaß, einige Gauner, die sie bei Lumpe
reien erwischten, auf die Art zu zeichnen,
um nicht mehr durch ihre Gesellschaft
belästigt zu werden."
„Aber Boyd, dem das Ohr fehlt," rief
JenkinS, „beklagt sich am bittersten, daß
ihm schon zwei seiner besten Pferde ge
stohlen wären."
„Ja," sagte Vorder, „aber Pferde, die
Keiner von nnS je zu Gesicht bekommen,
und ob's wahr ist, wer weiß es? Das
ist sicher, diese Geselle, und ein Paar
von ihnen, die am Stierkopf und am Al
ligatortcich wohnen, machen das meiste
Geschrei und neulich aber kennt Ihr
Ashley?"
„Bob Ashley? werde ich Ashlcy nicht
kennen!" riefJenkins, „wir waren ja alte
Nachbarn in Ollgrove-Grund amWhite-
River 'ö ist Einer der ältesten Jagd
gcfährten, die ich auf der Welt habe."
„Und er ist ein braver ehrlicher Kerl?"
„Bei Gott, ich möchte den Mann se
he, der in meincrGcgenwart dasGegen
theil behauptete!" rief der Alte heftig.
„Nun gut," fuhr Border fort, „und
wißt Ihr, was mit Ashley vor ein paar
Tagen geschehen ist? — Die Regulatoren
haben ihn gelyncht."
„Die Regulatoren?" schrie JenkinS,
„was für Regulatoren ?"
„Eine Bande von Kerlen, deren Na
men wir noch nicht kennen," sagte Bor
der, „die Sache war so: Neulich Mor
gens aber BillinS, erzählt Ihr lieber
die Geschichte, Ihr wißt mehr davon."
„Und haben sie Ashley umgebracht?"
rief JenkinS, und die Hand des Alten
faßte krampfhaft seine Büchse.
„Das nicht," sagte Billins, „Ihr wißt,
ich wohne etwa vier MilcS von Ashley
entfernt, ich bin der nächste Nachbar, den
:r hat. Vorgestern Nacht, es war schon
elf Uhr vorbei, und wir lagen Alle im
Bett, schlagen die Hunde an. Ich sprin
ge auf, fasse meine Büchse und laufe hin
aus, da ruft eine Kinderstimme: „O um
Gottes willen, Mr. Billins, halten Sie
Lancaster, Pa, Donnerstag, Juli 2, I8S.
die Hunde, daß sie mir nichts thun!"
Ich zwischen die Hunde hinein und jage
sie hinter's Haus, und das kostete Mühe
genug, aber brachte sie doch endlich still,
dann geh ich an die Fenz, und wer ist's ?
Ashley'S kleines Mädchen, Jenny, ein
Kind von kaum zwölf Jahre, das in der
Nacht den ganzen weiten Weg durch den
Wald allein zu Fuß gekommen.
„Aber um Gottes Wille, Kind!" rief
ich aus, „was bringt Dich mitten in der
Nacht hierher. Hast Du Dich verirrt?"
„Nein," sagt das Kleine und faßt
meine Hand, „helfen Sie, Mr. Billins,
helfen Sie meinem Va'er schnell, sie ha
ben ihn in einen Baum gebunden."
„In eine Baum gebunden? wer?"
rief ich.
„Die Regnlatoren," sagt die Kleine,
„o schnell, schnell, sonst muß er da oben
sterben, und die Mutter ist vielleicht jetzt
schon todt."
Mit Mühe kriegt' ich jetzt aus dem
armen Ding heraus, was geschehe war.
Eine Bande angeritten
gekommen, hatten Ashley beschuldigt ih
nen zwei Pferde gestohlen zu haben, sag
te, daß sie Regulatoren wären, die dem
Unfug hier ein Ende machen wollten, und
als er heftig wurde und sie Lügner und
Schufte nannte, nahmen sie einen Strick
und wollten ihn aufhängen. Jetzt stürzte
die Frau heraus und fiel vor ihnen auf
die Kniee, und sie erklärten ihr endlich,
mit dem Leben solle er diesmal davon
kommen, aber eine Strafe müsse er baben,
banden ihn und zogen ihn auf den Ast
einer Eiche hinauf, wo sie ihn festmachten
und oben liegen ließen. Dann trieben
sie die Pferde zusammen und ritten fort.
Was sie mitgenommen, wußte das Kind
nicht, aber die Mutter wurde ohnmächtig.
Niemand war weiter im HauS, der ih
rem Vater helfen konnte, sie allein aber
nicht im Stand auf den Baum zu klet
tern, und da lief das Kind dicht vor Son
nenuntergang mitten in den Wald hin
ein, um bei mir Hülfe für die Ihrigen
zu suchen. Natürlich that ich, was sich
nur in der Schnelle thun ließ. Das
Kind nahm ich in'S Haus, und die Frau
gab ihm Brod und Milch nach dem schwe
ren Marsch, und ich weckte indessen Jim
Bailey, der gerade bei mir war und iir
geholfen hatte meine neue Küche aufzu
richten. Die Pferde waren glücklicher
Weise bei der Hand und wir selber in
kaum einer Viertelstunde marschfertig.
Das Kind wollt' ich nun bei meiner Frau
lasse, daß es die Nacht schlafe und sich
erholen könne, aber Gott bewahre, es
ließ nicht nach, ich mußte cS hinten auf's
Pferd nehmen, und was die Thiere lau
se konnten, jagte wir hinüber. Aber
bei Gott, da lag Ashlcy noch immer auf
dem Eichenast, die Frau war wieder zu
sich gekommen und jammerte, als sie die
Tochter auch nicht fand, und glaubte, die
Schurken hätten sie mit fortgenommen,
halb wahnsinnig um Mann und Kind,
und die Freude, als wir ankamen ! Aber
ei verdammt schweres Stück Arbeit
war's, den Alten oben von seiner Hüh
nerstangc herunter zu bringe, denn loS
schncidcn durften wir ihn nicht aus ein
mal, er wäre uns sonst durch die Finger
gerutscht und hätte den Hals gebrochen.
Endlich ging'S, und wir brachte den ar
men Teufel wieder auf Gottes Erdboden
hinunter. Aber er war ganz wie rasend,
und tobte und wüthete und fiel zuletzt in
einen tiefen Schlaf, so daß wir ihn ganz
bewußtlos auf's Bett legen mußten.
Am nächsten Morgen hatte er denn auch
richtig ein hitziges Fieber, phantasirte
von Regulatoren und Todtschießen und
Gott weiß was Allem, und ein vernünf
tiges Wort war nicht mehr aus ihm her
auszubringen. Da hielten wir uns denn
auch nicht lange bei ihm auf. Wir rit
ten schnell zurück zu meinem HauS, und
ich schickte meine Alte hinüber, daß sie der
MrS. Ashley beistehen konnte, dann mach
ten wir uns, Jim Bailey und ich, auf,
um die Nachbarn zusammenzutrommeln
uud zu berathen, was geschehen könnte,
und da sind wir jetzt und deshalb war
ich auch heute Morgen nach Euch unter
wegs, JenkinS, denn das dürfen die
Schufte nicht ungestraft gethan haben."
„Und hat Euch Ashley keinen mit Na
men genannt?" frug JenkinS, der der
Erzählung mit fast fieberhafter Span
nung, ohne seine Büchse nur aus der
Hand zu stellen, gefolgt war.
„Wir konnten Nichts aus ihm heraus
bekommen," erwiderte Billins, mit dem
Kopf schüttelnd. „Von den stundenlan
gen Hängen am Baume, mit zusammen
geschnürten Armen und in der schmerz
haften Lage war er natürlich so außer
sich, daß er lauter tolles Zeug faselte."
JenkinS war nachdenkend geworden.
Sollte der Besuch der beiden Fremden,
die heute Morgen bei ihn gewesen, mit
diesem neuen Regulatorenbund etwa in
Zusammenhang stehen? Er erzählte
mit kurzen Worten den Nachbarn sein
heutiges Abenteuer. Kaum aber nannte
er den Namen Netley dabei, als Bor
der rief:
„Hol den Schuft der Teufel, das ist
derselbe Lump, den sie in St. Francis
ville in Arkansas schon einmal wegen
Schweinestehlen —er änderte ihre Zei-
che ab vor Gericht hatten, und da
mals schwur er's ab. Wie sie aber spä
ter feste Beweise gegen ihn bekamen und
ihn noch einmal wegen Meineid beim
Ohr nehmen wollten, kniff er aus, ließ
seine Frau sitzen und ging nach TeraS.
Der braucht's auch noch sich hier wichtig
zu mache; hätten wir ihn damals er
wischt, wär' er ohne Verlust seiner beiden
Ohren nicht davon gekommen !"
„Wenn wir nur einen einzigen der
Schufte kennten," rief JenkinS, „die den
armen Ashlcy mißhandelt haben! Beim
Himmel, wir wollten ihn beregulatorcn
und mit Dogwood und Hickory bekannt
machen, bis er seine übrige Sippschaft
verriethe; aber was können wir so in'S
Blaue hinein thun?"
„Ich habe meinen Tom zu Ashley'S
kinübergeschickt," sagte Vorder, „der soll
drüben bleibe, bis er wieder zur Besin
nung kommt, und uns dann gleich Nach
richt sagen."
„Und kannte denn seine Frau Nieman
den aus der Schaar?"
„Ja," sagte Billins, „zwei oder drei
der Männer behauptet sie schon gesehen
zu haben, aber sie wußte die Namen
nicht, und in der Aufregung und Angst
hatte sie auch wohl auf Einzelheiten nicht
so genau geachtet. Tie Beschreibung
wenigstens, die sie uns gab, würde auf
Jeden von uns eben so gut passen."
„Das ist eine böse Geschichte, Gentle
men," sagte JenkinS, der indessen recht
nachdenkend geworden war und still vor
sich nicdcrgcstarrt hatte, „und ich weiß
wahrlich nicht, welchen Vorschlag man
da machen soll. Thun wir aber Nichts,
so gewinnen die Schufte entweder Zeit
mit ihrem Raub die „Range,, zu verlas
sen, oder tauche plötzlich da oder dort
wieder auf und verüben ein neues Bu
benstück. Ist denn Niemand ihren Fähr
ten nachgegangen?"
„Wer sollte das?" sagte BillinS, „erst
lich nahmen wir uns dazu wahrlich nicht
die Zeit, und dann wußte die arme Frau
nicht einmal genau anzugeben, ach wel
cher Richtung bin sie sich gewandt hat
ten, um Ashley'S Platz herum war aber
der ganze Boden so von Pferdehufen zer
stampft, daß sich kein Indianer mehr hin
durchgcfundcn hätte."
„Wär' ich nur dort gewesen!" nickte
JenkinS, „aber soviel ist sicher, daß wir
in unserer Heimath jetzt durch eine Bande
gewissenloser Schufte geführte! werden,
die wir nicht länger dürfen ihr Wesen
treiben lasse, denn keine einzelne Fami
lie ist vor iknen sicher."
„Aber was können wir thun," rief
Border, „ehe wir nicht einmal einen von
den Burschen namkast machen ?"
„Wir sind hier fast aus allen Theilen
der County versammelt," sagte JenkinS,
indem er sich im Kreis der Männer um
sab, „da sind drei vier vom Trinidad,
dort Tomlinö von der Sabine, ein Paar
vom Red - River und vom Bear- und
Saltcreek."
„Vom Rio Rajo hatt' ich auch Met
ers bestellen lassen," sagte Billins, „aber
er muß die Botschaft nicht bekommen ba
ben, und selber hinüber konnt' ich nicht."
„Den müssen wir's noch wissen lassen,"
sagte JenkinS, „und dann schlag' ich vor,
daß wir jetzt, bis das geordnet ist, jede
Arbeit, jedes Geschäft an den Nagel Hän
den und Tag und Nacht draußen liegen,
um nur erst einmal die Spur zu bekom
men. Ihr habt drei Neger, nicht wabr,
Border?"
„Vier," sagte dieser, „und handfeste
Bursche."
„Gut, wenn Ihr mir folgt, so machen
wir BrownSville zum StationSpnnkt;
heute Abend vertheilen wir uns und über
morgen Abend kommen wir Alle wieder
hier zusammen, um das Weitere zu be
rathen. Bis dahin müßte es ja auch mit
dem Bösen zugeh, wenn nicht Einer oder
der Andere eine warme Fährte gesunden
hätte, und Gnade Gott dann den Schuf
ten !"
„Wer kommt denn dort?" rief Border
und schützte seine Augen mit der Hand
gegen die Strahlen der eben untergehen
den Sonne.
„Hol'ö dcr Teufel!" rief BillinS, „der
hat ja gar keine Hosen an."
„Das ist MeierS, beim Himmel!"
lachte ein Anderer, „und im Hemd auf
dem Pferd. Hahahaha, das ist kostbar!"
„Und mitten zwischen den Häusern rei
tet er durch," rief Bordcr, „die Frauen
haben ihn auch schon weg. Aber Mei
ers, was zum Henker fällt Euch denn
ein? Wo habt Ihr denn Euere Hosen,
Mann?"
„Guten Abend, Gentlemen," sagte in
dessen der Neuankommcnde, der in einem
kurzen Trab, aber in dem wunderlichsten
Aufzug von der Welt, herankam und
nichtsdestoweniger, als er des Postmei
sters Haus passirte, die dort halbverstcck
ten kichernden Frauen und Mädchen auf
das Artigste grüßte. „Border, thut mir
den Gefallen und borgt mir ein Paar
von Eueren Hosen, denn die Nacht wird's
frisch, und ich kann doch nicht so hier im
Settlement herumlaufen und mich zum
Abendbrod mit den Ladies an den Tisch
setzen."
MeierS sah wirklich komisch aus. Es
war eine lange trockene Gestalt, mit brei
ten Schultern und entschieden vorstehen
den Backcnkrochen. Auf dem Kopf trug
er einen alten Filz, der nicht einmal
mehr erkennen ließ, ob er überhaupt je
eine Form gehabt; am Körper aber nur
sein nicht übermäßig langes weißes
baumwollenes Hemd, darüber, nach Art
der Backwoodsmen, einen von selbstge
webtem blauwollencm JeaneSzeug ver
fertigten Frack, gar keine Hosen undMoc
casins an den bloßen Füßen. Umhänge
hatte er seine Kugcltasche und auf der
Schulter lag die lange einläufige Büchse,
ohne die ein Backwoovöman sein Haus
überhaupt nie verläßt. Dabei hingen
ihm die langen glatten Haare ordnungS
los unter dem Hut vor, und mit den
blauen, gutmüthigen Augen sah er sich
überall im Kreise lächelnd um und nickte
nach allen Seiten.
„Aber MeierS, um Gottes willen, was
habt Ihr denn nur mit Eueren .Besten'
angefangen?" lachte Vorder noch ein
mal, während der Angeredete einen vor
sichtigen Blick nach den Häusern zurück
drehte, sein Pferd halb umwandte, um
beim Absteigen keine Blöße zu geben,
und dann rasch aus dem Sattel sprang,
während sich die Schaar jetzt mit lautem
Gelächter um ihn sammelte.
„Die Geschichte ist sehr einfach," sagte
aber MeierS, ohne sich im Geringsten
außer Fassung bringen zu lasse;, mit
voller Ruhe, „verloren hab' ich sie un
terwegs."
„Verloren, vom Leibe?"
„Nein," meinte Meiers, „das gerade
nicht. ES war so verdammt warm und
da zog ich sie unterwegs aus und legte
sie aus de Sattel. Nun weiß der Teufel,
wie es kommt, aber sie müssen mir, ge
rade wie ich etwa drei Meilen von hier
den Sulphurcrcek kreuzte, unter dem Leibe
vorgerutscht und in'ö Wasser gefallen
sein, den gleich nachher vermißt' ich sie
und bin noch etwa zwei Meilen, bis zu
einer Stelle, wo ich genau wußte, daß
ich sie noch gehabt, zurückgeritten, aber
Göll bewahre. Jedenfalls hat sie der
verwünschte Fluß mitgenommen; umkeh
ren wollt' ich aber auch nicht, und da
kam ich denn so. Border, holt mir ein
mal ein Paar heraus, denn in dem Auf
zug möcht' ich den Ladies nicht gern
meine Auswartung machen."
Die Damen hatten indessrn schon den
Verlust ihres alten Freundes bemerkt,
und ein kleiner Ncgerjungc kam mit ei
Paar ncugcwaschnen Beinkleidern ange
sprungen. Diese hatten allerdings den
Nachtkeil, daß sie MeierS etwa um zwei
Handbreit zu kurz waren, aber das ge
nirtc ihn nicht. Seinen Hut gegen das
Haus lüftend, denn er wußte recht gut,
daß das muthwillige Volk dort ihn durch
die offenen Spalten desselben beobachtete,
nahm er das überbrachte Kleidungsstück
und ohne es der Mühe werth zu halten
damit auf die Seite zu gehen, zog er es
gleich auf der Stelle an, aus der er stand.
Noch damit beschäftigt lenkte er die Fröh
lichkeit der ihn umgebenden Männer aber
bald wieder zu dem ernsten Zweck zurück,
der sie hier versammelt hatte.
„Und wißt Ihr, daß der Teufel auch
im Süden IoS ist?" sagte er, "Ashley'S
Geschichte hab' ich gehört, und grad wie
ich fortritt, kam Tom Burton von der
Southfork herauf und erzählte, daß eine
Bande von Kerlen seines Bruders Haus,
während er draußen im Wald war, nie
dergebrannt und drei von seinen Pferden
fortgetrieben habe. Er ist jetzt nach, um
ihren Spuren zu folgen, und ich will ih
nen nur wünschen, daß er sie einholt."
„Und er hat auch keinen gekannt?"
rief JenkinS rasch.
„Cr war ja gar nicht daheim," sagte
MeierS, „und hatte blos seinen Pflock
außen vorgesteckt. Die Schurken steckten
das Haus in Brand, das sie möglicher
Weise vorher ausgeplündert, wer weiß
es. Viel werden sie aber wohl nicht
darin gefunden haben."
„Nun, Gentlemen," sagte Border nach
einer Pause tiefen Stillschweigens, in
der die Männer ernst umherstanden und
Meicrö seine Toilette beendigte, „wie die
Sachen jetzt stehen, ist kein Mensch in
seinem eigenen HauS mehr sicher, und je
eher wir dem Zustand ein Ende machen,
desto besser."
„Wo wohnt denn dieser Netley?" sagte
JenkinS, dem die Begegnung von heute
Morgen nicht aus dem Kopf wollte.
.Wenn der in den Staaten schon Lum
pereien gemacht hat, wird er hier nicht
anfangen ein ehrlicher Kerl zu werden,
und dem möcht' ich vor allen Dingen
auf die Finger sehen. Haben wir nur
erst einmal an Einem einen Halt, so fin
den wir auch mit leichterMühe den Rest."
„Netley," sagte Beider, „hat sich eine
Hütte in ziemlich nordöstlicher Richtung
von hier, unmittelbar an dem Schilf
bruch gebaut, und war, als ich das letzte
Mal dort oben nach meinen Pferden
suchte, gerade dabei sich eine Weide in
das Schilf hinein zu bauen, wo die Thiere
allerdings für eine gute Weile Futter
haben."
„Wo denn etwa?"
„Wißt Ihr die Slew, JenkinS, über
die zwei Cypressenbäume so gefallen sind,
daß sie gerade eine Brücke hinüber bil
den ?"
„Gewiß weiß ich sie. Ich bin den
Platz schon passtrt."
„Gut, wenn Ihr an der aufwärts
geht, kommt Ihr zu der Hütte; sie liegt
aber nicht unmittelbar am Wasser, son
dern etwas versteckt in den Büschen drin,
und ich hätte sie damals gar nicht be
merkt, wenn mich nicht das Krähen eines
HauShahnS aufmerksam gemacht hätte."
„Gut," nickte lenkins, "den Platz find
ich und nun, denk ich, hat mein Pony
auch genug gefressen, daß ich den Heim
weg wieder antreten kann, denn unter
den Umständen mochte ich nicht länger,
als irgend nöthig ist, von zu Hause fort
bleiben."
Damit aber war Border nicht einver
standen. Er hatte, wie er erklärte, be
sonders zu dem Zweck einen Fcisthirsch
geschossen und ein junges Schwein ge
schlachtet, Lebensmittel seien also genug
im Hause, Whiskey zu einem tüchtigen
ArkansaS-Stew ebenfalls, und er „wolle
verdammt sein", wenn irgend einer die
„Range" verlassen solle, ohne sich sattgc
gessen und getrunken zu haben, am we
nigsten lenkins.
Dabei blieb es; der Alte durste sich
nicht ausschließen, noch dazu da die paar
Ruhestunden ja auch seinem heute über
dies fast zu sehr angestrengte Pferd zu
Gute kamen. So sammelte sich die wilde
Schaar denn bald um Border's gastli
chen Heerd, wo die Frauen ir dessen emsig
beschäftigt gewesen waren riesige Blech
kannen mit Kaffee zu kochen und die ver
schiedenen saftigen Fleischstücken zu bra
ten. Die Becher, mit dem scharfen, aber
wohlschmeckenden Getränk, einer Art von
Grog gefüllt, wurden fleißig geleert, und
es war lange zehn Uhr vorbei, ehe Jen
kinS endlich Ernst machte zum Aufbruch.
Border wollte ihn noch zurückhalten,
aber es ließ ihm keine Ruhe mehr. Er
stand auf, sattelte und zäumte sein in
deß vollständig ausgeruhtes Pferd und
trat den Heimweg an. Vorher aber
hatten sich Alle das Wort gegeben, über
morgen Abend wieder zu gemeinsamer
Berathung hier zusammenzutreffen.
(Fortsetzung folgt.)
Verschiedenes.
Die Lcgung des neuen atlantische
Telegraphischen Taues
von Valentia in Irland aus nach der
Küste von Neu - Fundland sollte dem
Programme nach in der letzten Woche
begonnen haben. Die „London Times"
bringt folgende Einzelnhciten hierüber:
„Die Instrumente zum Telegraphiren
sind seit dem ersten unglücklichen Ver
such Europa mit Amerika telegraphisch
zu verbinden, so vervollständigt worden,
daß die Aussichten auf Erfolg dieses
Mal sehr ermuthigcnd sind. Man kann
jetzt durch ein submarines Tau selbst
dann wenn ein Stück von einem Fuß
Länge des Leitungsdrahtes dem Wasser
ausgesetzt ist, Signale hindurchsenden,
wie Versuche mit dem neuen Tau erge
ben haben. Dieser Verbesserung der
Instrumente entspricht auch die Verbes
serung in der Construktion des Taues.
Das neue ist weit stärker als die beiden
früheren, die Leitungsdrähte sind grö
ßer, die Jsolirung ist vollständiger.
Der „Great Eastern" enthält drei
ungeheure eiserne Behälter, die das Tau
aufnehmen. Diese Behälter wiegen
mit dem Wasser darin Tausend Tonnen.
Außerdem nimmt das Riesenschiff noch
8500 Tonnen Kohlen, 500 Tonnen Te
legraphen-Maschinen, und das Tclegra
phentau selbst von 4000 Tonnen auf
ein Cargo von über 14,000 Tonnen,
ohne Dampfmaschinen und Ausrüstung,
die zusammen fast eben so viel wiegen.
Mit diesem ungeheuren Gewicht liegt
das Schiff grade zur gehörigen Tiefe im
Wasser; doch da es durch theilwcise
seichtes Wasser zu gehen hat, ehe es die
Mündung der Themse erreicht, hat man
vorgezogen, erst an der Müudung den
vollen Kohlenbcdarf einzuladen. In
Valencia wird dann das Ufercnde des
Taues am Lande befestigt werden, wor
auf die Legung im Ocean beginnen
wird. Diese kann nur mit einer Schnel
ligkeit von höchstens sechs Meilen per
Stunde geschehen, und wird daher 11—
12 Tage in Anspruch nehmen. Wenn
Alles gut geht, wird der „Great Eastern"
daher in 14 Tagen an der Küste Ame
rikas anlangen. Wenn die Legung ge
lingen sollte, wird das Schiff sofort nach
dem Punkte zurückkehre, wo das letzte
Tau verloren wurde, und dasselbe su
chen. Schiffe mit Kohlen sind zu dem
Zwecke bereits nach der Küste von Neu-
Fundland ausgeschickt worden, die dort
vom „Great Eastern" eingenommen
werden sollen. .
Wenn das alte Tau gefunden werden
sollte, und der „Great Eastern" ist dar
auf eingerichtet, die Nachforschungen
zwei Monate lang fortzusetzen, wird das
Ende des versunkenen Taues sofort mit
dem Rest desselben verbunden, und die
Legung nach der amerikanischen Küste
vollendet werden. Dann würden wir
also zwei Taue haben."
Rro. s.
Die National - Banken.
Die „New-Vork Tribune," ein streng
radikal - republikaniscbeS Blatt, macht
über die Gefährlichkeit der National-
Banken foigcude treffende Bemerkun
gen:—
„Die neulichen Enthüllungen über
die Insolvenz mehrerer National Ban
ken sollten auf sämmtliche Banken und
ihr ganzes System die öffentliche Ans
merksamkeit richten. Die in Betreff
derselben im Eongresse eingebrachten
Untersuchungs-Vorschläge gehen unbe
dingt nicht weit genug. Wenn Natio
nalbankcn, dicht unter den Augen der
Regierung zu Waschington, mit allen
Vortheilen bedeutender Regierungs-De
positen, so-schmachvoll falliren, wie wir
es jüngst gesehen haben, was soll man
dann von dem Zustande anderer Ban
ken dieser Art halten? Die Masse des
Volkes wird durch die Bezeichnung
„National" und durch die Thatsa
che getäuscht, daß diese Banken in einer
gewissen Verbindung mit der Regierung
stehe. Auf diesen alleinigen Grund
hin schenkte das Volk ihnen sein Zu
trauen und übergab ihnen sein Geld,
trotzdem sie der That nach nichts weiter
als Privat-Corporativncn sind. Die
Regierung ist weder für ihre Transak
tionen verantwortlich, noch auch dafür,
daß sie, wie wirklich der Fall, mehr No
ten ausgeben, als im Verhältnisse ihrer
„Asscts" und dcponirten Bonds statt
haft ist. Das Volk ist durch die
Handlung des Congresseö
in Begründung dieser Ban
ken irregeleitet worden, und
die Regierung hat dafür die moralische
Verpflichtung, es nach Kräften vor üb
len Folgen zu schützen. Wir verlangen
daher eine gründliche Untersuchung in
den Stand der National-Banken und
von Zeit zu Zeit eine prompte Darle
gung ihrer Transaktionen vor den Au
gen des Publikums.
Mehr als tas. —Das ganze Sy
stem, welches solchen Betrü
gereien zugänglich ist, sollte
vernichtet werden.
Die Gewinnst? der Ctrculation, welche
die Regierung jetzt diesen Privat-Mono
polen, so zu sagen, als freies Gescheuk
in den Schooß wirft, würden viel besser
zur Abzahlung nnscrcr National-Schuld
verwendet. Diese Frage ist viel wich
tiger als die Negerfrage, und wir hof
fen, daß der Congrefi Verstand und Pa
triotismus genug besitzt, sie vor seiner
Vertagung zu lösen, damit dem Lande
ein so gigantisches und gefährliches Mo
nopol nicht für immer aufgesattelt
wird."
Der Congreß, nachdem er beinahe
acht Monate beisammen war, hat sich
nun vertagt; was hat aber derselbe -
Congreß tu dieser Sache gethan? fra
gen wir alles Ernstes die „Tribune." —
Gar nichts. Anstatt das weiße Volk
vor Betrug und Schwindel zu beschützen,
verschwendet er noch Millionen, um die
faulen Neger des Südens zu beköstigen
und zu kleiden.
Schreiende Widerspruche.
Die Radikalen glauben, daß das Land sich
nicht in der Lage befinde, um gegen die braven
und tapferen Männer, welche die Ehre de Vol
kes in 1812 vertheidigten, liberal zu sei!-
dieselben sollten sich zufrieden geben. Aber die
Neger von 1866 müssen liberal unterstützt und
pensionirt werde, für diesen Zweck ist die
Nation reich genug.
Das Haus-ilomite bat ungünstig über das
Gesuch der alten Invaliden berichte!; dassel
be geschieht niemals, wenn es sich um die Ne
ger oder ihre Interessen handelt; dann steht
der Volksbcutel immer offen uud es werden den
ohnehin schwerbelastcten Arbeitern des Landes
10 oder 12 Millionen Dollars abgenommen,
un, diese Summe für den Unterhalt faullen
zcndcr und schurkischer Bureau-Agenten zu ver
ausgaben. Dies ist die Art und Weise, wie
die Radikalen die erprobten Dienste weißer Sol
baten würdigen und belohnen.
Die Neu-England-Staaten opponirten dem
Kriege von 1812 und ihre Eongreß-Repräsen
anten wollen den Veteranen desselben keine Un
erstützung votiren.
Eigenthümliche Weise den Eid
abzulegen. Ein sittsames, junges Land-
Mädchen, welches unlängst an einen unserer
UnterstützungS - Agenten in Richmond um Ra
tionen sich wände, sollte den Eid ablegen.
„Nein, gewiß nicht, Herr, erwiederte sie erschro
cken, ich habe in meinem ganzen Leben niemals
geschworen. „Du mußt aber den Eid ablegen,
liebes Kind," sagte der Agent, sonst kann ich
Dir die Rationen nicht geben. Nein, gewiß
nicht, ich kau nicht, Herr, sagte das Mädchen ;
„meine Mutter lehrte mich immer, niemals zu
schwören." So weigerte sie sich lange, den
freundlichen Vorstellungen des Agtnten Folge
zu leisten, bis sie durch den furchtbaren Kampf
zwischen Nothwendigkeit und tiefinnerstcn mo
ralischen Pflichtgefühle zuletzt überwunden, put
niedergeschlagenen Blicken die Worte hervor
stammelte: „Wenn Ihr denn durchaus darauf
besteht, daß ich etwas so Entsetzliches Gottlose
thue, so hole der T l dielankee!"
In Washington haben sich der „National-
Elub" uud der „Demokratische National Elub"
vereinigt und werden bei den Herbstwahlen ge
meinschaftlich wirken.
* In Philadelphia starb Richter G. iökallorp,
das älteste Mitglied des Philadelphia' Bur
reauS.
* Im Monate Juni brachten 82 Schiffe
ZZ, 750 Emigranten nach New Aork.
* Hr. 3. S. Breckinridge wohnt zu Nia
gara, West-Eanada,